Im Rahmen des Geografie- und Deutschunterrichtes besuchten wir, die Klasse 10a, zusammen mit Frau Sommer und Frau Schramm am 2. Juni Leipzig. Mit viel Vorfreude auf einen interessanten Tag begann um Neun unsere Zugfahrt mit der S-Bahn, die am Stadtrand der größten Stadt Sachsens in den Ende 2013 eröffneten City-Tunnel „eintauchte“. Vor dem Ausstieg in Leipzig erhielten die Schüler Ihre Exkursionsaufträge, die sie auch während des Ausflugs erledigen konnten. Der erste Auftrag war es, Informationen über den City-Tunnel zu sammeln. Frau Sommer machte die Aufgabe sehr leicht, denn sie vermittelte den Schülern ihr Wissen über das Projekt noch direkt im Bahnhof, sodass man nur mitschreiben musste. Hinter einer Geräuschkulisse von ständig ein- und ausfahrenden Zügen ging sie mit den Schülern die komplette Geschichte des City-Tunnels durch. Diese beginnt bereits im späten 19. Jahrhundert, als die Einrichtung einer Untergrundbahn vom Hauptbahnhof zum Bayerischen Bahnhof beschlossen wurde. Die beiden Weltkriege störten den Fortschritt allerdings immens, was zur Folge hatte, dass erst 1946 die Planungen wieder beginnen konnten. Es musste ein weiteres halbes Jahrhundert vergehen, bis in den 1990er-Jahren wegweisende Maßnahmen folgten, sodass 2003 der Bau begann. Wie mittlerweile nicht unüblich, wurde sowohl der finanzielle als auch der zeitliche Rahmen deutlich gesprengt, da erst 2013 der fast eine Milliarde Euro teure Tunnel mit zwei Jahren Verspätung eröffnet wurde.

Deutlich pünktlicher kamen wir an unserer nächsten Station an, nämlich der Thomaskirche, die bemerkenswerterweise ein mit 63 Grad sehr stark geneigtes Dach hat. Der äußerst kundige Reiseführer Herr Schindler zeigte uns alles Wichtige in der Thomaskirche, in welcher Martin Luther und vor allem Johann Sebastian Bach bedeutend gewirkt haben. Im Altarraum, in dem wir Platz nehmen durften, liegen die sterblichen Überreste Bachs seit 1950 begraben. Neben den farbenfrohen Fenstern zieren auch Porträts aller bisherigen Leipziger Superintendenten die Wand des Altarraums. Auf der anderen Seite der Kirche gibt es zwei große Orgeln, die neuere davon verfügt über mehr als viertausend Pfeifen. Wir verließen die Kirche und liefen zu einem nicht weit entfernten, und auch nicht weniger bedeutenden Gotteshaus, nämlich der Nikolaikirche. Die nebenbei größte Kirche Leipzigs hat eine interessante Geschichte vorzuweisen, denn die Nikolaikirche war der Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution, die bekanntermaßen am Ende zum Fall der Mauer führte. Bereits Anfang der 1980er-Jahre begannen hier die Montagsgebete, welche zum Ende des Jahrzehnts hin zu Montagsdemonstrationen wurden. Jeden Montag versammelte man sich, um friedlich für ein geeintes Deutschland zu demonstrieren. Auch dank dieser Montagsdemonstrationen kam es zum Mauerfall und der anschließenden Wiedervereinigung.

Nach diesem kleinen Geschichts-Exkurs wurden die Schüler in eine freie Stunde entlassen, die sie in der kulturell interessanten Innenstadt von Leipzig verbringen konnten. Das interessanteste stellten für die Schüler dennoch die unzähligen Einkaufsmöglichkeiten dar. Nach der Freizeit trafen wir uns in einem Keller mit einer weitreichenden Geschichte: Auerbachs Keller. Die erste Erwähnung geht in das Jahr 1438 zurück. Als der in Auerbach (Oberpfalz) geborene Heinrich Stromer einen Hof am Markt erbaute, und im Keller der „Auerbachs Keller“ eingerichtet wurde, war das Lokal in bester Lage perfekt. Goethe verbrachte während seiner Studienzeit in Leipzig viel Zeit in diesem Lokal. Er sah hier zwei Gemälde, die zeigen, wie sich der Magier Faust mit Studenten auseinandersetzt. Er wettet mit Ihnen, dass er ein Weinfass zum Schweben bringen kann. Einsatz: Das Weinfass. Auf dem anderen Bild sieht man den Ausgang der Wette: Faust reitet auf den Weinfass zur Tür hinaus. Goethe wurde durch diese Faustsage, die auf den beiden Bildern zu sehen ist, dazu inspiriert, die Tragödie „Faust“ zu verfassen, bis heute eines der bedeutendsten Werke deutscher Literatur. Nach so viel literarischer Kost gab es erst einmal leckere Kost aus dem noch immer bestehenden Restaurant. Dort servierte man wahlweise Gemüsepfanne oder Sauerbraten. Beide Gerichte waren dem Ruf des Restaurants gerecht geworden, nicht nur eine beeindruckende Geschichte, sondern auch eine beeindruckende Küche zu bieten. Nach der guten Mahlzeit begaben wir uns wieder zum Bahnhof, von wo aus wir mit der S-Bahn zum Flughafen Leipzig-Halle fuhren. Eine Woche zuvor hatte bereits ein Teil der Klasse die Möglichkeit, den DHL-Hub am Flughafen zu besuchen. Das Logistikunternehmen, welches zur Deutschen Post gehört, betreibt hier das größte Luftfrachtdrehkreuz der Welt.

Rückblick: Am Abend des Montags, an dem die BLF in Deutsch geschrieben wurde, fuhren interessierte Schüler sowie Frau Schramm und Frau Sommer mit den Schulbussen zum logistischen Teil des Flughafens, der den deutlich größeren Teil des Geländes ausmacht. Bei strömendem Regen besuchten wir das Drehkreuz, welches noch vor Cincinnati und Hongkong das größte der Welt ist. Wir erhielten einen Einblick in den laufenden Betrieb, der zur Abendzeit, in der wir die Anlage besuchten, am intensivsten ist. Eine unbeschreiblich hohe Anzahl von Paketen und Briefen wird hier von über viertausend Mitarbeitern von den ankommenden Flugzeugen entladen und weiter in alle Welt gebracht. Leipzig ist also nur ein „Umsteigeplatz“ für die unzähligen Sendungen.

Diesmal, eine Woche später, besichtigten wir den Teil des Flughafens, der den Personenverkehr ausmacht. Kurz nach der Ankunft erklärte uns Frau Sommer alles, was für den aktuellen Geografieunterricht wichtig ist. Besonders das Thema „Standortfaktoren“ wurde behandelt.
Denn wieso verschlägt es denn die DHL ausgerechnet nach Mitteldeutschland? Antwort: Attraktive Standortfaktoren! Zum Beispiel der Faktor Nachtflugerlaubnis: In der „Rush-Hour“ am Abend und in der Nacht müssen die Flugzeuge fliegen dürfen, da sonst der komplette Betrieb zum Erliegen kommt. Der Standort Leipzig-Halle kann das bieten, weshalb die DHL einen Grund mehr hatte, nach Schkeuditz zu kommen. Nach der kurzen „Unterrichtsstunde“ mit Frau Sommer begann unsere Führung über das Flughafengelände, die, wie eine Woche zuvor schon, mit einer Sicherheitskontrolle begann. Nachdem jeder die Kontrolle durchlaufen hatte, setzten wir uns in einen Flughafenbus und wurden bequem über das Außengelände transportiert. Zwischen den Airbus’ und Antonovs sah unser Bus ganz schön klein aus! Wir machten einen Halt an der Feuerwache des Flughafens, die mit modernen Löschfahrzeugen ausgestattet ist. Wir erfuhren unter anderem, dass eines der Feuerwehrfahrzeuge im Notfall sogar die Außenhaut eines Flugzeugs durchstechen kann, um an einen Brand im Inneren zu gelangen. Nach der kleinen Fahrzeugkunde ging es zurück zum Bus, der dann tatsächlich vom Tower die Erlaubnis erhielt, auf der Start- und Landebahn zu fahren. Unser Bus transformierte sich vom Bus zum Air-Bus und fuhr mit höchster Geschwindigkeit die über drei Kilometer lange Bahn entlang. Enttäuschenderweise gelang es uns nicht, am Ende der Bahn abzuheben. Dennoch war das ein Erlebnis der besonderen Weise, mit der unsere Rundfahrt auf dem Flughafen und damit auch unsere Exkursion endete. Wir gingen zurück zum Bahnhof am Flughafen und traten mit der S-Bahn die Heimreise an. Nach Meerane kamen wir mit vielen interessanten und schönen Erinnerungen zurück.

Leopold Raabs 10a